Ha det bra, Norge! It’s been an absolute pleasure

Nun ist es tatsächlich soweit: Morgen schon fliege ich wieder zurück nach Deutschland. Die 5 Monate hier vergingen wirklich wie im Flug und jetzt, wo ich auf meine gepackte 20kg Tasche schaue – erscheint sie mir viel zu klein für all die Erlebnisse und Abenteuer, deren Teil ich hier sein durfte. Zum Glück sind die für immer platzsparend und in Leichtbauweise in meinem Kopf abgespeichert.

Wenn ich jetzt zurückdenke, steht die Uni eher im Hintergrund, obwohl es natürlich eine interessante Erfahrung war, im Ausland zu studieren. Aber vor allem erinnere ich mich an die pure Lebensfreude und Abenteuerlust, die mich ständig auf den nächsten Berg trieb oder zu Trips außerhalb Bergens. Ich habe die wilde Natur hier wirklich lieben gelernt, die Gipfel, das Meer, den Wind, und werde nicht zum letzten Mal hier gewesen sein. Außerdem denke ich an die Menschen, deren Wege sich hier mit meinem kreuzten und die alles in so vielfältiger und wunderbarer Art und Weise bereichert haben. Ich denke daran, wie merkwürdig es ist, dass ich als Single abreiste und nun mit einem festen Freund zurückkomme, der weder Erasmus-Student, noch Norweger ist. Verrückt, wie das Leben manchmal spielt… Ich komme auch nicht darum herum, meinen Aufenthalt hier mit Australien zu vergleichen und festzustellen, dass es sooo anders und doch so unvergleichlich schön war. Die letzten Tage überwog die Traurigkeit über den Abschied, aber gleichzeitig merke ich auch, dass ein Semester hier genug war. Dass es okay und richtig ist, jetzt wieder zu gehen. Schließlich warten noch andere Abenteuer auf mich 😉 Und ebenso meine Familie. Ich kann es nicht erwarten, vor allem meine 3 kleinen Nichten und meinen Neffen zu sehen, meine Geschwister, meine Eltern, meine Freunde in Berlin. Leute, ich hab euch vermisst und freue mich sehr auf euch!

Ich wollte eigentlich noch gerne ein paar wissenswerte Dinge über das Volk der Wikinger, das Preislevel hier und die Essgewohnheiten bloggen, aber das schaffe ich wohl doch nicht mehr. Ich gebe euch drei Stichpunkte dazu (bei Nachfragen erzähle ich natürlich gerne mehr):

  • Die Norweger: definitiv verschlossener als Südländer, aber NICHT grob und unhöflich, wie es die Klischees immer darstellen. Hilfsbereit. Sportverrückt. Abenteurer. Trunkenbolde.
  • Preisniveau hier: AUTSCH!!
  • Ziemlich gemixt, aber tatsächlich lieben die Norweger ihre Tiefkühlgüter (was für mich echt nicht mit dem allgemeinen Sport/Outdoor-Lifestyle zusammenpasst. Grandiosa ist ihr Favorit, eine echt pappige Pizza, die mir persönlich gar nicht schmeckte. Eine Spezialität ist außerdem Brown Cheese, der schmeckt so Karamellartig. Ebenso süße Gebäckstücke (z.B. „Boller“), gerade nach dem Mittagessen. Und natürlich Lakritze!

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So, und jetzt verabschiede ich mich mit meiner absoluten Lieblingbegrüßung:

„Hva skjera, Baghera?“

„Ingen ting, Tingeling.“

(= „What’s up, Bagheera?“ –> „Nothing, Tinkerbell“)

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Eine wilde Schlittenhund-Fahrt

Den Tag nach der Nordlichter-Sichtung hatten wir dem Sightseeing gewidmet und das ist in Tromso relativ schnell erledigt. Die Stadt ist übersichtlich klein, wenn auch sehr hübsch. Abends erkundeten wir dann das Nachtleben, aber blieben nicht bis in die Puppen aus, denn für den nächsten Tag hatten wir eine Schlittenhund-Tour gebucht. Ich nahm mir fest vor, meine Hoffnungen nicht allzu hoch zu schrauben, weil man von vielen Touristen hört, dass es dann kürzer als versprochen war, man nicht selbst fahren durfte o.Ä. Aber die Sorge war umsonst, denn wie sich herausstellte, hatten wir einen super Veranstalter erwischt und sogar noch das Glück, dass die andere Gruppe nicht erschien und wir so sozusagen eine ganz private Tour bekamen.

Also wir 5 plus einen Guide auf drei Schlitten verteilt mit jeweils 5 Alaskischen Huskies davor. Doch bevor es losging, wurden wir erstmal für unser Abenteuer ausgerüstet: Schneeanzüge, wie ich sie seit meiner Kindheit nicht mehr getragen hatte, dicke Fäustlinge und natürlich Snowboots. Zu dem Zeitpunkt gingen wir leider noch davon aus, dass jede einen Schlitten zu fahren hätte und liessen daher unsere Kameras im Camp (wer sich festhalten muss, kann schlecht fotografieren….). Im Endeffekt wurden wir dann nach einer knappen Einweisung auf zwei pro Schlitten verteilt – einer sitzt, einer fährt und mehrere Male wechseln.

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Ist etwas schade, dass ich daher keine Fotos der Fahrt habe, aber ich klaue einfach ein paar von deren Website und die Bilder in meinem Kopf sind immer noch so frisch wie an dem Tag der Tour.

Wir waren schon etwas nervös, zumal die Hunde dermassen aufgehetzt und vorfreudig waren, dass sie wie wild umhersprangen und kläfften. Kaum war das Startkommando gegeben, KAWUMMS!!! Man meint nicht, wie viel Kraft diese Tiere haben. Kombiniert man das mit der angeborenen Freude am Rennen, kommt dabei eine ziemlich flotte Mischung heraus! Wir sausten nur so los!

Unter „Fahren“ darf man sich allerdings nicht vorstellen, dass wir den Schlitten wirklich lenkten. Das machen die Hunde und die folgen natürlich erstmal dem ersten Schlitten und auch die bekannte Route. Wenn man das auf einem untouristischem Level macht, gibt es natürlich richtige Kommandos. Wir allerdings mussten uns vielmehr als Co-Pilot verstehen und hatten vor allem drei Jobs:

1) aufpassen, dass weder unser Schlitten unseren Hunden, noch diese dem nächsten Schlitten zu nahe kamen und dementsprechend vor allem bergab bremsen,

2) ordentlich mit anschubsen, wenn es bergauf ging (und das Gelände war sehr hügelig und voller Schnee!) und

3) sich richtig mit in die Kurven legen! Denn sonst kommt der Schlitten ziemlich schnell ins Schleudern und man purzelt um. Als wir nach 90min wieder im Camp ankamen, wurden wir sogar als Naturtalente gelobt, weil viele Neulinge sich dermaßen versteifen, dass ein Fall häufig vorkommt. Die Schlitten können nämlich an die 30km/h erreichen!

Ich sag euch, kalt wurde uns nicht! Vielmehr jauchzten und lachten wir und ich verbrachte meine Nicht-Fahr-Zeiten damit, den Himmel anzustarren. Unsere Tour war nämlich Nachmittags und damit war es schon wieder zappenduster. Dreimal dürft ihr raten, was sich wieder am dunklen Himmel zeigte….? Japp. Die gute Aurora. Zwar nicht so ausgeprägt wie am ersten Abend, aber sie war da! Und wir sahen mehrere Sternschnuppen, die sich unglaublich hell und langsam über den Himmel zogen. Angeblich sollte später in der Nacht noch ein richtiger Meteoritenschauer runtergekommen sein (mein Timing wiedermal….unglaublich), deshalb sahen wir so überdurchschnittlich viele. Außerdem natürlich „normale“ Sterne über Sterne! Das Schlittenfahren im Dunkeln zu machen, war dann auch echt noch einen Zacken aufregender als tagsüber – wir fuhren zeitweise auch komplett ohne Licht. Und besonders Lenas und mein Hundeteam gab mächtig Gas!! Waaahhheeeeeee!! Man wird ordentlich durchgeruckelt und fliegt förmlich über kleine Buckel und Erhebungen drüber, bevor man krachend wieder auf dem Schnee aufkommt und weiter saust. Wir mussten die Jungs echt häufig bremsen und uns mit vollem Gewicht auf die Bremse stellen um langsamer zu werden. Das tut einem dann Leid, aber ansonsten gibt es völliges Durcheinander oder sogar einen Crash. Ich hab groooooße Lust, das nochmal zu machen und kann es nur jedem empfehlen! Dann vielleicht sogar einen längeren Trip, aber mehr hatten unsere Studi-Budgets einfach nicht zugelassen.

Das Abenteuer wurde abgerundet von Kuchen und Tee in einem selbstgebauten, urigen Tipi mit großem Feuer und wir plauderten ausgelassen mit den Veranstaltern über die Hunde, das Unternehmen, Norwegen usw. Und dann ging es auch schon wieder zurück in die Stadt und wir schlitterten gut gelaunt nach Hause um das Wochenende mit Kochen und Film ausklingen zu lassen.

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Am nächsten Tag flogen wir nämlich schon wieder zurück nach Bergen – zurück in einen Blizzard wie sich herausstellen sollte. Unser Flugzeug kreiste einige Zeit ohne Landeerlaubnis über den Wolken, bis wir sogar umkehren und in Alesund zwischenlanden mussten um nachzutanken und zu warten, bis der Bergener Flughafen wieder freigegeben war. Mit „nur“ 2h Verspätung hatten wir da noch echt Glück, ich hatte schon befürchtet, irgendwo steckenzubleiben. Zurück im guten alten Bergen standen dann die nächsten Abschiede an. Schon traurig diese letzten Tage, aber Tromso war von vorn bis hinten ein super Trip, den ich wohl immer in Erinnerung behalten werde.

Jetzt sind es tatsächlich nur noch zwei Tage bis zu meinem Abflug und ich werde versuchen, noch einen abschließenden Rückblick zu posten. Und dann heißt es wohl: Zuklappen des Kapitel Norwegens…

Hello there, Aurora Borealis… You GORGEOUS thing!

Wow, ich habe gerade einen dieser Momente, wo ich vor dem blinkenden Cursor sitze und nicht so Recht weiß, wie ich das Erlebte in Worte fassen soll.

Unser Trip nach Tromsø war einfach unglaublich schön und beinhaltete ein Erlebnis, das schon seit Jahren ziemlich weit oben auf meiner Bucket List stand: Die berühmten Nordlichter sehen.

Und dafür muss man in den Norden. Schon der Flug war toll, ich hatte einen Fensterplatz ergattert und starrte die meiste Zeit fasziniert auf dieses wilde, schneebedeckte Land unter mir. Mich beeindruckt es immer wieder, was für riesige Gebiete einfach ohne jegliches Zeichen von Zivilisation sind! Laut Wikipedia hat Norwegen eine Bevölkerungsdichte von nur 13 Einwohnern pro Quadratkilometern – Deutschland gleicht dagegen einem einzigen Großstadtdschungel!

Wir kamen sicher an und bekamen schonmal einen ersten Eindruck der Polarnacht: Tromsø liegt nämlich schon so weit nördlich, dass die Sonne sich im Winter komplett unterm Horizont versteckt hält. Allerdings ist es keine perfekte 24/7 Dunkelheit wie etwa in Spitzbergen, man hat doch noch etwa 3h relativ schummriges Tageslicht mit einem Horizont, der wie bei einem Sonnenauf-/untergang glüht. Aber ab 14Uhr wird es dann eben auch wieder dunkel. Übernachtet haben wir bei der Schwester von einer Fantoft-Mitbewohnerin und die hatte dann auch so lustigen Technik-Schnickschnack in ihrem Haus wie einen Sonnenaufgang-simulierenden Wecker und eine Art UV-Tablet, das dem Körper bei der Vitamin D Bildung hilft. Ab diesem Breitengrad geht es dann tatsächlich auch schon los, dass die Leute Lebertran zu sich nehmen. For real. LEBERTRAN! Den gibt es hier in allen Farben und Geschmacksrichtungen 😀

Da wir aus verschiedenen Gründen getrennt angereist sind, schlug ich nachmittags noch ein paar Stunden in einem Polar-Museum tot. Ganz nett gemacht, es hab sogar echte Robben und deren Tricks bei der Fütterung waren schon ganz unterhaltsam. Dann kamen die anderen mich abholen und wie wir so schlitternd über den eisglatten Bürgersteig schlitterten, plauderten wir darüber, wie schön klar der Himmel sei und dass wir, vielleicht mit etwas Glück, noch am gleichen Abend Nordlichter sehen würde. Ich guckte beiläufig hoch…. Und da waren sie!!!! Ein grüngelbes Band, das sich leicht wabernd durch dunklen Himmel zog. Ich quietschte nur so und wäre vor Aufregung fast auf die Straße gefallen.

Nachdem wir wie Hans-guck-in-die-Luft bei unserer Unterkunft angekommen waren, beschlossen wir schnell, uns den nächstbesten Berg vorzunehmen. Auf dem Weg dorthin (40min Fussmarsch durch klirrende Kälte und dann Bergbahn) war dann erstmal nichts mehr zu sehen, aber wir blieben zuversichtlich. Und tatsächlich: Keine 100m vor der Bergbahnstation waren wir wieder am Ah-en, Oh-en und Staunen. Ein bisschen abseits der Stadtlichter sieht man dann nochmal mehr und wir verbrachten an die 2h dort oben, teilweise sogar im Schnee liegend – den Blick fasziniert nach oben gewandt und ein dümmliches, komplett glückliches Grinsen auf dem Gesicht. Zum Glück konnten wir uns zwischendurch immer mal in der Station aufwärmen, es war wirklich frostig!

Was soll ich sagen? Die Nordlichter halten, was sie versprechen! Manche sind eher statisch, andere dagegen bewegen sich viel schneller, als ich erwartet hatte! Tauchen plötzlich auf, strudeln, wirbeln und wabern über den Himmel und manchmal hatten wir sogar etwas Rot dabei. Ich konnte mich wirklich nicht satt sehen… Man fragt sich automatisch, was sich wohl für Legenden um sie ranken und wie ehrfürchtig oder vielleicht sogar verängstigt die ersten Menschen gewesen sein müssen. Es ist ein einzigartiges Spektakel und ich musste den anderen geduldig erklären, was ich erst Stunden zuvor im Museum über die Aurora Borealis gelernt hatte. Denn ganz ehrlich, so ganz genau wusste ich selber nicht, wie sie entstehen. „Irgendwas mit Sonnenstürmen?“ wäre früher meine zögerliche Antwort gewesen…

Um euch den wissenschaftlichen Exkurs zu ersparen, hier ein Video (sehr simpel und verständlich erklärt) für die, die es weiter interessiert: https://www.youtube.com/watch?v=9cnf8cWnvF0

Ich möchte euch nämlich vor allem das Ergebnis zeigen. Und weil ich diese Fotos für sich sprechen lassen will, erzähle ich euch erst im nächsten Beitrag über unsere Schlittenhund-Fahrt am darauffolgenden Tag. Die war nämlich ein mindestens ebenso tolles Erlebnis und hat meiner Meinung nach einen eigenen Eintrag verdient 😉

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Eigentlich wollte ich die Welt erobern … aber es regnet.

Und genau das werde ich nutzen, um einen lang überfälligen Beitrag über Bergens Wetter zu verfassen. Denn das ist berüchtigt. Mein kleines norwegisches Städtchen hat nämlich einen graugrantigmiesen Ruf – den als „regenreichste Großstadt Europas“.

Macht auch Sinn, wenn ihr euch nochmal die geografische Lage vor Augen führt: Durch den Golfstrom bleibt es hier zwar immer relativ angenehm im Winter, aber jegliche Wolkensuppen, die vom Meer hier eintreffen, bleiben – durch die umgrenzenden Berge behindert – ziemlich direkt über der Stadt stecken. Bergens Charme, der aus eben dieser seltenen Berg+Meer-Kombi besteht, wird hier leider manchmal zum Verhängnis.

Werft einen kurzen Blick auf die Klimatabelle, um einen Überblick zu bekommen (zum Vergleich: Berlins niederschlagsreichster Monat ist Dezember, aber nur mit ca.11Tagen und nicht 21 von 31).

klimatabelle bergenJa, es stimmt schon. Es regnet oft hier – gerade im Herbst. Allerdings muss ich berichten, dass ich (mal wieder) überdurschnittlich viel Glück hatte. Denn die Monate, die ich hier verbrachte, waren überdurchschnittlich trocken und warm. Die Höchsttemperatur knackte tatsächlich einmal die 30° Marke und den gesamten August waren 20-25° keine Seltenheit. „So schlimm ist es doch gar nicht“, dachte ich lange – bis ich meinen ersten richtigen Regentag erlebte.

Denn wenn es hier regnet, dann ist das kein Nieselregen, sondern kommt einem Monsun gleich. Ich dachte ja, ich sei mit Regenjacke, Schirm und Gummistiefeln ausreichend ausgestattet, aber weit gefehlt. Es kommt von allen Seiten und oft verbunden mit solch kräftigen Windstößen, dass der Schirm nach wenigen Sekunden umgeknickt ist, die Jeans durchnässt und die Füße auch, weil das Wasser von oben in die Stiefel reinläuft. Mein deutsches Verständnis von Regenkleidung lag hier VÖLLIG daneben!

Stattdessen besitzt fast jeder Norweger richtige Regenanzüge (meistens mehrere), die eben auch eine Hose beinhalten. So Müllmann-Style, aber es gibt tatsächlich auch viel Farbenfrohes. Hier ist es ein völlig normaler Anblick, Menschen in kniehohen Gummistiefeln zu sehen – in Berlin wäre das ein absolutes Fashion-Tabu. Die haben doch nur auf Festivals oder Bauernhöfen was zu suchen… Aber ohne kommt man eben nicht weit und die Menschen hier haben eingesehen, dass alles Meckern nicht hilft und man seinem Alltag ja doch nachgehen muss.

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The best thing one can do when it’s raining is to let it rain. ~Henry Wadsworth Longfellow

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Mein Toleranz-Bereich hat sich durch meinen Aufenthalt hier definitiv erweitert. Wenn es nur nieselt, lasse ich mir davon schon lange nicht mehr die Laune verderben. Ist es grau und bewölkt? Ist doch super Wetter! Raus an die frische Luft! Und wenn dann die Sonne scheint…. Leute, ich sag euch, ich hab selten so viel pure Lebensfreude empfunden! Es ist jedesmal wie dieses echte Frühlings-Gefühl, das fröhlich in der Magengrube herumkullert wenn man an einem Eis schlabbernd die ersten blühenden Krokusse entdeckt 🙂 Man weiß es viel mehr zu schätzen dadurch.

Ein-,clipboard01 zweimal hatten wir wirklich an die 10Tage Regen non-stop und das hat dann schon etwas an meinen Gute-Laune-Reserven gezehrt, aber es ist lange nicht so schlimm wie man sich das vielleicht vorstellt.

Auch nicht mit der Dunkelheit. Ich wurde in letzter Zeit oft gefragt, ob ich schon depressiv deshalb werde. Dann schlage ich erstmal vor, nochmal Bergens Breitengrad zu googeln. So schlimm ist es hier nämlich gar nicht! Derzeit geht die Sonne um 09:17Uhr auf und um 15:36 unter. Der Tag mit dem wenigsten Tageslicht ist dann um Weihnachten rum und das mit immer noch fast 6h Tageslicht. Danach wird Tag für Tag wieder heller. Also kein Vergleich zum richtigen Norden Norwegens, in dem man dann die bekannte Polarnacht erleben kann.

Das erinnert mich wiederum an die Nordlichter…. Die sagenumwobene Aurora Borealis. Leider muss man in Bergen schon extrem Glück habe, sie mal beobachten zu können und das liegt nicht an der ständigen Bewölkung. Einfach nicht nördlich genug. Trotzdem verfolgen wir fleißig die Vorhersagen und einmal konnte man sie tatsächlich hier sehen! (was ich leider verschlafen habe…)

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Ihr seht also, Bergen hält klimatisch doch ein ganz anderes Spektrum als Australien für mich bereit. Wer weiß, vielleicht bin ich ja nochmal 5cm gewachsen 😉

November

Sooooo endlich, endlich habe ich mal wieder einen freien Kopf und genug Zeit um euch ein Update zu geben:

Zunächst einmal hielt der November hier für mich Prüfungsvorbereitungen, mieses Wetter und Kälte bereit – aber auch eine riesige Überraschung. Sebastian verschwörte sich nämlich mit meinen Mitbewohnern und überraschte mich hier. Wir scypten ganz normal, ich hatte wirklich null Ahnung und als dann Chloé (eine Französin auf meinem Gang) plötzlich ins Bild winkte, brauchte ich wirklich lange DREEIIII … ZWEIIII … EINSSS … Sekunden, bevor die Verwirrung sich endlich mit einem lauten Klick löste und ich ins Nachbarzimmer flitzte. Eben diesen Moment fängt dieser Snapshot ein, den ich euch nicht ganz vorenthalten möchte. Vielleicht amüsiert es ja den ein oder anderen:

10818686_962137847135246_66089797_n(Ich muss wirklich an der Attraktivität meines Überraschungs-Gesichts arbeiten….)

Jedenfalls wurde die Lernphase von da an echt wesentlich erträglicher und gestern brachte ich dann auch die letzte Prüfung hinter mich. Hatte schon gut zu ackern, aber ich glaube, die Mühe hat sich gelohnt.

Aufgehellt wurde dieser nasse Herbstmonat von weiteren kleinen Highlights wie erneutes Sonnenuntergangs-Gucken plus anschließendes Lagerfeuer auf dem Floyen, ein paar vorweihnachtliche Dinner- und Chor-Events, Spaziergänge an den wenigen Sonnentagen und auch das Konzert von Angus&Julia Stone, eine meiner australischen Lieblingsbands, die ich nun endlich (so fern ab von ihrer Heimat) live erleben durfte. Aber alles in allem waren das auch schon die erwähnenswertesten Geschehnisse. Im Ausland zu Studieren gestaltet sich dann eben doch etwas gemäßigter als ein Work&Travel Aufenthalt.

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Doch d14476_409048455872481_599142871_ner Dezember wird nochmal richtig schön glaube ich: So kalt wie es mittlerweile ist, gibt es wohl bald Schnee (eigentlich eher untypisch für Bergen…) und ab nächster Woche sind dann auch alle anderen mit ihren Prüfungen fertig und kriechen blass und ausgelaugt hinter ihrem Schreibtischen hervor um sich endlich wieder den spaßigeren Seiten des Studenten-Daseins zu widmen 🙂 Jetzt kommt endlich wieder Leben in das graue Gemäuer Fantofts! Der Monat wird wohl mit keinen firsts, sondern lasts erfüllt sein und auch vielen Abschieden. Ich fass es gar nicht, wie schnell das Semester vorbei ging!

Aber an die traurigen Abschiede will ich jetzt noch gar nicht denken und freue mich lieber wie ein kleines Eskimokind auf unserem Trip nach Tromso, bei dem wir dann wohl den richtigen norwegischen Winter kennenlernen: Schneemassen, Polarnacht, Huskyschlitten und hoffentlich auch die berühmten Nordlichter – es wird toll!

Fried brain for supper

eksamen_6It’s no real Norwegian semester without (at least one) 6h exam. In a gym. Just in case you feel like playing a cheerful round of basketball afterwards. You never know, right?

Entschuldigt die Stille um mich, aber ich war die letzten Wochen mit Abenteuern der geistigen Art beschäftigt: Bis über die Ohren in Bücherstapeln graben, mich durch Papierdschungel kämpfen und einen absolut olympiareifen Endspurt hinlegen. Ab Samstag bin ich endlich FREEEIIIIIII!!! 🙂

Schlamm-Catchen in Bergen

Na gut, ganz so schlimm ist es nicht, aber doch einen kurzen, ironischen Eintrag wert. Seit Tagen kommt der Regen hier nämlich wie aus Kübeln runter und als ich heute meinen Wasserhahn im Bad aufdrehte, passierte das:

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Alles Leitungswasser ist völlig schlammig und nachdem wir panisch beim Hausmeister anriefen, erfuhren wir, dass das wohl in der ganzen Stadt so sei. Es wurde einfach zu viel Erde weggeschwemmt und das läuft natürlich jetzt auch alles durch unsere Leitungen. Allerdings, so sagte man uns, sei das nicht weiter gefährlich. Man könne das Wasser auch weiterhin bedenkenlos trinken, obwohl uns dann doch angeraten wurde, zu warten, bis sich die Partikel am Grund des Trinkgefäßes abgelagert hätten. Danke für den Tipp, wäre ich von alleine nie drauf gekommen… Ich als verwöhnte Großstädterin hatte erstmal den übertriebenen Impuls, mir einen Wasserfilter zu kaufen, das Zeug abzukochen oder eben abgepackt zu kaufen 😛

Eben kam ich aus dem Fitnessstudio, duschte mich mit der kaffeefarbenen Brühe und überlegte mir dabei, ob mir morgen in der Vorlesung beim Kopfkratzen wohl Sand auf die Schultern rieseln würde. Ist auch nicht gerade glaubwürdig, wenn man dann patzig seinen angewiderten Sitznachbarn anfährt: „Das sind keine Schuppen – das ist DRECK!!“ Na gut, vielleicht ist es schon glaubwürdig, aber eben auch im Ermessen des Betrachters ob es weniger eklig ist.

Oder wie wäre es damit:

„Hallo Solarium-Fans! Spart euch Geld und Hautkrebs und kommt nach Bergen! Einfach abduschen, lufttrocknen und VOILÀ! Die gleichmäßigste und hautfreundlichste Bräune, die ihr euch nur erträumen könnt! Kommt noch heute vorbei und seht in Minutenschnelle aus wie Halle Berry…“

Vermutlich sehe ich bald wieder aus wie damals nach einem Tag auf der australischen Kartoffelfarm:

IMGP5345Ich könnte noch ne Weile so weitermachen, aber die Lern-Pflicht ruft. Norwegen hat mir mal wieder bewiesen, dass es nichts für weichgespülte Menschen ist und tut und lässt widde-widde-wie es [ihm] gefällt 🙂

The Vikings‘ capital

…und zum zweiten Mal bestieg ich die Bergenbahn und ratterte 7h lang Oslo entgegen – diesmal allerdings in Begleitung einer meiner absoluten „Bergen-Besties“ Lena und mit viel widrigeren Wetterbedingungen. Viel spektakuläres Landschafts-Gucken war diesmal also nicht drin, dafür aber geselliges Palaver 🙂

Wie es scheint, wohne ich echt schon viel zu lange in einer Kleinstadt, denn wir hatten nach unserer Ankunft echt erstmal recht peinliche Schwierigkeiten uns in der nächtlichen Stadt zu orientieren (zu meiner Verteidigung: Hier gibt es nunmal mehr als nur eine Straßenbahnlinie und…und… es war dunkel! Und wir waren müde! Und…und überhaupt!). Später als erwartet trafen wir dann bei unserem Couchsurfing-Host ein und lieden ihn als Entschuldigung auf ein Bier um die Ecke ein.

Klingt erstmal nach keiner großen Gegenleistung, aber wenn man sich die Osloer Preise zu Gemüte führt (in unserem Fall 82NOK, also ziemlich runde 10€ für eine Hopfenbrause…), denkt man vielleicht nochmal anders darüber… Oslo rangiert tatsächlich unter den Top5 der teuersten Städte der Welt! Bergen ist dagegen ein Schnäppchen-Paradies 😀

Dafür hatten wir mit unserem Host echt Glück, da er nicht nur nett war, sondern auch noch in einem der angesagtesten Viertel (in einem sehr schmucken Bachelor-Apartment) wohnte und die „Kneipe um die Ecke“ dementsprechend ein echt nettes Plätzchen war. Das muntere Gläserklirren und laute Stimmengewirr führte mir dann doch vor Augen, dass ich das Großstadt-Flair etwas zu vermissen beginne…

Unser erster Tag war ganz dem Sightseeing gewidmet und angestachelt vom sonnigen Herbsttag brachen wir gut gelaunt zu unserer Erkundungstour auf. Erster Stop war das erst in 2008 errichtete Opernhaus, dessen Bau mehr als 500Millionen Euro gekostet haben soll und ein reinster Palast aus Glas, Holz und vor allem Marmor ist. Die Gestaltung würde vermutlich jeden Architektur-Studenten ins Schwärmen bringen, denn man hat versucht, das Gebäude einem Eisberg bzw. Gletscher nachzuempfinden – daher die steilen Flächen und das Weiss. Ein wahres Bollwerk der Baukunst, mit dem Oslo sich selbst zu feiern scheint und vielleicht ein klitzekleines bisschen Sydney nacheifert…?

Weiter spazierten wir zur Akershus Festung, über den Hafen zum Palast der Königsfamilie, bewunderten die futuristische und erneut bestimmt Millionen-schwere Architektur des neuen Viertels Aker Brygge (wie gesagt, unser kleine Student würde hier Träumen und Staunen und Ah-en und Oh-en) und liessen den Tag im Vigelandpark ausklingen.

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Auf dem ausgedehnten Gelände gibt es mehr als 200 Skulpturen des gleichnamigen norwegischen Künstlers zu bestaunen und gerade das goldene Herbstlicht der untergehenden Sonne machten unseren Besuch dort schon zu etwas Besonderem. Man könnte Stunden hier verbringen und als Kunst-Lehrer oder Professor vermutlich hervorragende Exkursionen mit seinen Schülern hierher machen!

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Danach ging es nach Hause und frisch geduscht und gestärkt stürtzten wir uns in das Nachtleben. Auffallend war, dass es hier viele Clubs gibt, die ein recht hohes Mindestalter haben. Relativ wahllos schien es auch, es gibt eigentlich alle Grenzen zwischen 18 und 27. Außerdem gehen Osloer erst relativ spät weg – und das obwohl es hier die gleiche Sperrstunde wie in Bergen gibt. Versteh ich nicht…. Die sind wahrscheinlich einfach zu cool, um schon vor 12 da zu sein. Wieder mal hatten wir uns also als Landeier geoutet, genossen dafür aber die zunächst leere Tanzfläche 🙂

Sonntags beschlossen wir, noch etwas für unsere allgemeine Bildung zu tun und besuchten die Nationalgallerie. Ich bin zwar niemand, der sich jede Woche Gemälde anschauen muss, aber die Ausstellung war wirklich toll!! Man bekam einen groben Überblick über alle Epochen (ohne gleich so erschlagend wie der Louvre zu sein) und auch die skandinavischen Künstler im Allgemeinen. Natürlich durfte ein heimliches Foto mit Edvard Munch’s „Der Schrei“ nicht fehlen – auch wenn ich gar kein so großer Fan seiner Werke bin. Persönlich war ich vor allem begeistert von Dahl’s, Fearnley’s und Friedrich’s Landschaftsgemälden, denen sogar eine Extraausstellung gewidmet war. Ich sag euch, die Beleuchtung war so perfekt, dass man meinte, der Mond hinter den wolkenverschleierten Himmeln sei eine von-hinten-an-das-Bild-befestigste Taschenlampe. Sehr beeindruckend. Verliebt habe ich mich auch in Anders Zorns Gemälde dieser Frau. Vielleicht ist es das Sirenen-ähnliche, das mich fasziniert, vielleicht auch das sich-selbst-Wiedererkennen, ganz sicher bin ich mir nicht. Es gefällt mir jedenfalls ausgesprochen gut 🙂

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Wir machten noch einen kleinen Goodbye-Oslo-Spaziergang in der Dämmerung und liessen dann den Abend bei Pizza und Sitcoms ausklingen bevor wir uns auf die lange, lange Rückreise über Nacht machten. Und jetzt muss ich mich fürs erste wohl wieder in der Bibliothek vergraben… Denn meine erste Prüfung (Bio und zwar mündlich) steht schon nächsten Mittwoch an! Wünscht mir Glück!